Donnerstag, 21. April 2016

#tankealge

Ausgangslage:
1 Getränk, 3 Gründerinnen, 1 GmbH. Die evasis edibles GmbH produziert und vertreibt seit ziemlich genau einem Jahr (oder anders gesagt seit Mai 2015) HELGA, ein Erfrischungsgetränk mit Chlorella-Alge. Hinter HELGA stehen drei Frauen namens Anneliese Niederl-Schmidinger, Renate Steger und Ute Petritsch. Anneliese ist Chemikerin und arbeitete vor HELGA an der Züchtung von Algen als Biotreibstoffquelle. Renate war in dieser Firma für das Projektmanagement zuständig und bringt ihr wirtschaftliches Know-how nun bei HELGA ein, etwa im Vertrieb. Ihre Freundin Ute ist Architektin und kümmert sich jetzt – ganz die Ästhetin - hauptsächlich um Marketing-Belange.
Am Anfang war der Drang zu einem gesunden Trank. :-) Oder: Die Erkenntnis des Marktnischenprodukts Alge als „Treibstoff“ für den Menschen und die Suche nach einem gesunden low-carb-Getränk, das schmeckt und jeder verträgt. Die Idee entwickelte sich auch aus den unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen der drei Gründerinnen. Zum einen existiert(e) eine kritische Beschäftigung mit Ernährung und Herkunft von Nahrungsmitteln aufgrund von unterschiedlichen Ernährungsweisen und zum anderen gab und gibt es den Wunsch, den Körper zu entgiften und das Gewicht dauerhaft in den Griff zu bekommen. Und all das neben Beruf, Familie, Sport, Bildung, Freizeitaktivitäten und vermehrt auftretenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten. HELGA soll bei diesem Spagat helfen und zu Alltags-Begleiterin werden. HELGA ist das Einsteigerprodukt für Lebensmittel auf Basis von Algen. Weitere werden folgen – watch out!

Meilensteine:
Am Anfang ist es ja bereits ein Erfolg, wenn genügend Leute über die Idee, ein Algengetränk zu machen, den Kopf schütteln. Aber das reicht natürlich nicht, HELGA soll ja getrunken werden. Hier unsere Top 3 Meilensteine, die in Summe dazu geführt haben, dass wir uns über mittlerweile rund 600 Verkaufsstellen in Österreich, Deutschland und der Schweiz freuen können:
Im Jahr 2015:
Das erfolgreiche Crowdinvesting über Conda: 183 Investoren, 153.000 Euro
Die Prämierung mit dem Anuga-Taste-2015 Innovationspreis – Anuga ist die weltweit führenden Ernährungsmesse für Handel und Gastronomie
Heuer:
Ein großer Fang: 356 Nordsee-Filialen in Deutschland und Österreich nehmen HELGA in das Programm auf

Zukunftsaussichten:
Ein dichter Algenteppich über Europa, HELGA bekommt algigen Familienzuwachs und wird täglich abgefüllt.

Zu i2b:
Wir sind stolz auf HELGA. Und unseren Businessplan! Wir glauben daran, dass Algen einen wertvollen Beitrag für eine gesunde und ressourcenschonende Ernährung der Menschheit leisten. Wie, das steht in unserem Businessplan – und Ideen, die die Welt besser machen, freuen sich über Rückenwind, wie etwa durch den i2b Wettbewerb. Wie hat Bonnie Tyler schon in den 80ern gesungen: I need a hero! Wir sagen: #tankealge



Über die Autorinnen:

Renate Steger, Anneliese Niederl-Schmidinger, Ute Petritsch
Gründerteam

evasis edibles GmbH
Rauchfangkehrergasse 3
2560 Berndorf

www.hallohelga.at

Montag, 11. April 2016

Job- und Personalsuche einfach gemacht mit hokify

Es war Mitte März 2015, als die zwei jungen Wirtschaftsstudenten Daniel Laiminger und Karl Edlbauer kurz vor dem Ende Ihres Studiums standen und sich auf Jobsuche begaben. Doch dabei stellten Sie schnell fest, dass der Prozess bei vielen Unternehmen technologisch nicht am neuesten Stand ist, und außerdem die Jobsuche und Bewerbung nicht über das Gerät möglich ist, dass sie am häufigsten verwendeten, über das Smartphone. Gemeinsam mit dem dritten Mitgründer Simon Tretter überlegten Sie, wie man denn Job- und Personalsuche viel einfacher ermöglichen kann – da war die Idee für JobSwipr und später hokify geboren.

„Nach der Idee im März erschien uns alles zu einfach, und wir begannen den Markt zu recherchieren und mit großen Potentiellen Kunden zu sprechen. Bestätigt von der Begeisterung und dem großen Interesse einiger renommierter Unternehmen in Österreich stand für uns fest – mit hokify wollen wir jeder Person ermöglichen, innerhalb kürzester Zeit passende Jobs oder Mitarbeiter zu finden.

Im April arbeiteten wir neben dem Studium Tag und Nacht und entwickelten den ersten Prototyp unserer Android App. Damit machten wir uns auf zu Unternehmen und konnten in Kürze knappe 10 Unternehmen für einen gemeinsamen Testlauf begeistern. Zudem begannen wir eine erste Marketing Kampagne an der Wirtschaftsuniversität in Wien, um die Studenten auf die coole neue Art der Jobsuche und Bewerbung hinzuweisen.

Und im Mai war es dann soweit – der erste große Tage: Wir starten unsere erste Testphase mit circa 100 Jobs für Studenten und Absolventen der WU Wien. Innerhalb kürzester Zeit haben wir mehrere Hundert Person in der App und erreichen eine gute Präsenz an der WU Wien.

Außerdem konnten wir im Mai die Future Founders Challenge des Rudolf-Sallinger-Fonds und die Entrepreneurship Avenue (Startup Event an der WU Wien) gewinnen und bekamen dadurch einen enormen Support von allen Seiten.

Im August ging dann auch unsere iOS App online und unsere App war ab diesem Tag für fast alle Smartphones verfügbar. Dabei hatten wir mehr als 500 Jobs für alle Jobsuchenden Studenten und Absolventen in den Bereichen Wirtschaft, IT und Technik im Angebot.

In den darauf folgenden Wochen wollten wir unsere einfache Job und Mitarbeitersuche auf die Bereiche Gastronomie, Handwerk, Gewerbe und Einzelhandel ausweiten und starteten dafür eine neue App mit dem Namen hokn. Nach tagelangen Recherchen und hunderten Gesprächen mit Jobsuchenden entwickelten wir die Android App und stellen sie noch im September online.

Außerdem konnten wir zu dieser Zeit unser erstes Investment erfolgreich abschließen. Eine Business Angel Gruppe rund um Georg Obermair, (vormals Geschäftsführer Microsoft Österreich) und Christian Moder (vormals T-Systems Vice President) investiert eine mittlere 6-stellige Summe in unser Startup um die Entwicklung und unser Wachstum voranzutreiben.


Nach der Entwicklung unseres Business Plans und der Einreichung zum i2b Business Plan Wettbewerb, war für uns am 3. Dezember ein besonderer Tag. Wir waren für das Finale des i2b Business Plan Wettbewerbs nominiert und wurden mit dem 2. Platz im Bereich Studierende ausgezeichnet. Wir konnten durch die mediale Aufmerksamkeit nach der Verleihung nicht nur zahlreiche neue Kunden und User gewinnen, sondern bekamen auch wertvolles Feedback von den i2b Business Plan ExpertInnen. Im Zuge des i2b Wettbewerbs konnten wir einen hervorragenden Business Plan entwickeln auf den wir heute setzen.

Im neuen Jahr konnten wir den ganzen Schwung mitnehmen und generierten zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 500.000 Interaktionen mit Jobs von mehr als 10.000 aktiven Usern.

In den folgenden Wochen konnten wir mit hokn und JobSwipr sehr stark wachsen und entschieden uns im Februar dazu, dass wir beide Produkte zusammenführen, um die Vorteile von mobiler Jobsuche und Bewerbung dem gesamten Markt zugänglich machen. Unsere Vision ist es, dass jede Person, unabhängig von Alter, Herkunft und Ausbildung ganz einfach seinen Traumjob findet.

Mitte Mai war für uns der erste große TV Auftritt im Zuge der Startup Sendung 2 Minuten 2 Millionen und wir erhielten ein Investment in der Höhe von 1 Million Euro von Michael Altrichter und Startup 300. Mit diesem Investment wollen wir unsere Verbreitung in Österreich und die Expansion in den deutschen Markt forcieren. Gemeinsam mit den neuen Investoren und strategischen Partnern wollen wir noch schneller wachsen und unsere einfache Job- und Personalsuche einem größeren Markt zugänglich machen.


Aktuell haben wir bereits mehr als 25.000 Jobsuchende User in Österreich und Deutschland sowie mehrere hunderte Unternehmenskunden bei hokify und generieren über 1 Million Interaktionen mit Jobkarten. Außerdem wurden bereits mehr als 10.000 Bewerbungen erfolgreich mit hokify verschickt. Wir freuen uns sehr auf die Herausforderungen in den nächsten Wochen und Monaten.“

Über die Autoren:

Daniel Laiminger, Karl Edlbauer, Simon Tretter
Gründerteam

JobSwipr GmbH
Raimundgasse 3/21
1020 Wien

www.hokify.com

Montag, 21. März 2016

Von der Wohnzimmeridee zum Verkaufsschlager

Was in einem Wohnzimmer in Wiener Neustadt vor drei Jahren als Idee erste zaghafte Wurzeln fasste, endet in einem innovativen Produkt, das die Branche revolutioniert: ein Außenrollo für Mietwohnungen zur beschädigungsfreien und werkzeuglosen Montage. Was in den kreativen Köpfen der Gründer von BLINOS gezeugt wurde fand in einer Kooperation mit Schlotterer die perfekte Geburtsstätte. Geplanter Verkaufsstart ist Sommer 2016.

Gibt es keine Außenrollos, die die Fenster vor der Sonne schützen, heizt sich eine Wohnung im Sommer auf und wird ungewollt zum Treibhaus. Diese Tatsache kennen viele Mieterinnen und Mieter – so auch die beiden Gründer von BLINOS. Vor allem ein südseitig ausgerichtetes, großes Wohnzimmerfenster bereitete Stefan Hofinger und Philipp Pamminger Kopfzerbrechen.

„Wir waren nicht bereit, die Tatsache einfach hinzunehmen, dass für unser Problem keine brauchbaren Lösungen am Markt existieren. Also haben wir begonnen, selbst daran zu arbeiten. Wochenlang haben wir im Internet recherchiert, weil wir nicht glauben konnten, dass noch niemand eine derart naheliegende Idee gehabt hat. Da wir beide in Mietwohnungen wohnen, kennen wir nur zu gut die Schwierigkeiten, die es mit dem Vermieter geben kann, wenn im Außenbereich gebohrt und geschraubt wird und damit die Fassade oder das Fenster „beschädigt“ werden. Allerdings gibt es schließlich außenliegende Insektenschutzgitter, die einfach in den Fensterrahmen geklemmt werden. Warum ist also noch niemand auf die Idee gekommen auch Außenrollos „beschädigungsfrei“ zu montieren? Die Gedanken, wie so ein Außenrollo aussehen könnte, hören nicht mehr auf zu drehen. Und da wir davon überzeugt sind, dass wir nicht die einzigen mit diesem Problem sind, war es der nächste logische Schritt, nach den ersten Umsetzungsideen auch ein dazu passendes Geschäftsmodell zu entwickeln. Denn, ein Produkt, das so offensichtlich benötigt wird, muss doch auch herzustellen sein.

Erste Ideen entstehen und einige einfache Funktionsmuster werden in der Garage gebaut. Um ganz sicher zu gehen, dass wir die ersten mit einer derartigen Idee sind, haben wir zusätzlich eine detaillierte Patentrecherche durchgeführt, sind aber auch dabei nicht fündig geworden. Das war Motivation genug, erste Konzepte zu entwickeln und die Idee beim Ideenwettbewerb des Landes NÖ, dem RIZ Genius, einzureichen – und dabei prompt auch noch den ersten Platz aus insgesamt 120 Einreichungen zu belegen. Das war auch der Türöffner für die Aufnahme in das Accent Gründerprogramm (Inkubator des Landes NÖ) und wir konnten im Zuge dieser Förderung die ersten Prototypen bauen und das Unternehmen BLINOS als GmbH gründen.

Langsam wurden uns auch die Tragweite und der vor allem finanzielle Aufwand zur Umsetzung unserer Idee bewusst. Auch unser Businessplan zeigte ganz klar die beiden nächsten großen Schritte auf. Die Finanzierung musste sichergestellt und ein Produktionspartner gefunden werden. Startup-Konferenzen, Innovationswettbewerbe, zahlreiche Netzwerkveranstaltungen – all diese Bemühungen haben uns mit namhaften Business-Angels und Investoren in Kontakt gebracht und das Feedback zu unserem Vorhaben war durchgehend äußerst positiv. Wir waren mit einigen Business-Angels auch bereits in näherem Kontakt und gingen unseren Businessplan im Detail durch. Von dieser Seite wurde uns also bereits Unterstützung zugesagt.

Neben der Finanzierung war allerdings zu dem Zeitpunkt noch nicht geklärt, wie die Produktion des BLINOS-Rollos erfolgen sollte. Zunächst war der Gedanke, die Produktion des Klemmmechanismus (das eigentliche Herzstück unserer Entwicklung) an einen Lohnfertiger auszulagern, und die restlichen Komponenten zuzukaufen. Wir wollten von Anfang an mit einem geeigneten Partner möglichst viele Produktionsschritte unter einem Dach vereinen. Unser erklärtes, ideologisches, Ziel war es außerdem, ein Produkt zu schaffen, dessen Herstellung ausschließlich in Österreich erfolgt.

In weiterer Folge haben wir auf unserer Suche auch namhafte Vertreter der Sonnenschutzbranche kontaktiert, bei welchen wir uns nicht nur eine Produktionspartnerschaft erhofften, sondern den Nutzen vor allem in den zusätzlichen Synergieeffekten wie bspw. branchenspezifisches technisches Know How, Marketing und Vertrieb gesehen haben. Der Fokus lag also ganz klar auf einer strategischen Partnerschaft. Es gab einige Termine mit Vertretern namhafter Unternehmen, doch obwohl die Möglichkeit einer Zusammenarbeit signalisiert wurde – die Chemie stimmte nicht so richtig.

Zu dieser Zeit wurde ein Artikel in der Presse veröffentlicht, in dem verschiedene Unternehmen erwähnt wurden, die sich, selbst in einer Zeit, in der der Schwerpunkt bei Startups ganz klar im digitalen Bereich liegt, noch mit der Entwicklung haptischer Produkte beschäftigen. Auch BLINOS wurde dabei erwähnt.

Peter Gubisch, Geschäftsführer der Firma Schlotterer Sonnenschutzsysteme GmbH erinnerte sich an diesen Artikel, als die Anfrage für ein erstes Treffen mit BLINOS bei ihm eintrifft. Schlotterer war zunächst nicht auf unserem Radar, da die Firma zwar für qualitativ hochwertige Produkte bekannt ist, allerdings nicht im Bereich des textilen Sonnenschutzes. Dennoch wollten wir auch diese Gelegenheit nicht auslassen.

Nach einem ersten telefonischen Kontakt geht es Schlag auf Schlag. Das erste Treffen fand kurz danach statt und wir hatten Gelegenheit, unsere Idee und das dazugehörige Geschäftsmodell zu präsentieren. Das Feedback war von Anfang an großartig und es hat dann nicht einmal mehr 24 Stunden gedauert, bis wir zu einem Folgetermin eingeladen wurden, um den Grundstein für eine Zusammenarbeit zu legen. Bei jedem Gespräch, das daraufhin folgen sollte, egal ob telefonisch oder persönlich, war die geteilte Begeisterung für die Idee und das erkannte Potenzial einfach überwältigend. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt hat Hr. Gubisch zugesagt, Ressourcen bei Schlotterer zu schaffen, um die Idee im Detail zu evaluieren und die erforderlichen Schritte für die Entwicklung zur Serienreife und daran anschließend die Serienproduktion einzuleiten. Aber nicht nur das. Bereits beim zweiten Termin, der kurze Zeit später stattfand, haben Hr. Gubisch und Hr. Neutatz (mittlerweile zweiter Geschäftsführer bei Firma Schlotterer) den Vorschlag unterbreitet, dass sich Schlotterer auch finanziell an Blinos beteiligen wollte.

Ein Rundgang durch die Produktion von Schlotterer rundete unseren bereits gewonnenen, mehr als positiven Eindruck von diesem Unternehmen noch weiter ab. „Ab hier kontrolliert der Kunde“ steht in großen Lettern in der Fertigungshalle, genau an dem Punkt, wo die verpackten Rollläden und Insektenschutzgitter die Produktion verlassen. Ein weiteres kleines Detail, das uns darin bestärkt, dass die Werte von Schlotterer und Blinos deckungsgleich sind – denn letzten Endes geht es genau darum: Zufriedene Kunden.

Für uns waren es aber nicht nur diese „Hard Facts“, die uns begeistert haben. Es war vor allem die Atmosphäre im Unternehmen Schlotterer. Vorgelebt von der Geschäftsleitung, mit der jedes Gespräch auf Augenhöhe, offen und ehrlich stattfindet. Bis hin zu jedem einzelnen Mitarbeiter – egal in welchem Bereich. Die professionelle Arbeitsweise, die Werkstätten und die Menschen, mit denen wir zu tun haben, überzeugen. Eine unglaublich positive Einstellung.

Beim dritten Treffen ist die Kooperation beschlossene Sache. Blinos entscheidet sich für die Zusammenarbeit mit Schlotterer. Aus Überzeugung. Einen besseren Partner können wir uns für unser Projekt gar nicht vorstellen.

Seit Anfang 2015 wird deshalb gemeinsam am Produkt und am Aufbau des Vertriebs gearbeitet, um im Sommer 2016 mit dem Verkauf der BLINOS Außenrollos durchstarten zu können. Die Nachfrage sowohl von Endkunden, als auch von Fachhändlern ist bereits jetzt enorm, wozu mitunter der Sieg beim i2b Businessplanwettbewerb und die damit verbundene mediale Aufmerksamkeit maßgeblich beigetragen hat.“


Über die Autoren:


Stefan Hofinger & Philipp Pamminger
Gründerteam

BLINOS GmbH
Ausstellungsgasse 12/11
2700 Wiener Neustadt

www.blinos.at

Dienstag, 15. März 2016

Serie Betriebsübergabe - so klappt`s auch mit der Nachfolge (Teil 5)

Die Herausforderung
Wenn man die Nachfolger nach der Übergabe zu sehr unterstützt („verhätschelt“), so nimmt ihnen das die Energie, etwas Eigenes aufzubauen. Im folgenden Beispiel beschreibt eine junge Wirtin, wie sie sich selbständig gemacht hat:

„Ich nehme keine Ratschläge von den Eltern und bin ein ziemlicher Sturschädel. Ganz am Anfang war mein Vater eine Zeit lang hinter der Schank und da war ich sehr garstig! Ich mach das allein – das ist mein Motto. Anfänglich und bis heute sagen manche Gäste: Was eine Frau allein? Das gibt es nicht, wer steht denn da in der Küche? Ich sage dann: ein Koch! Jeder glaubt, im Hintergrund arbeiten mein Mann oder meine Eltern. Manche glauben bis heute, meine Eltern hätten mir das gekauft, aber das stimmt nicht. Meine Eltern haben mir immer gern geholfen und tun das bis heute, aber nur, wenn ich sie ausdrücklich darum bitte. Nach zwei Jahren war es dann soweit, dass ich angerufen habe und meinen Vater gebeten habe, mir in der Schank zu helfen. Da war er auch sehr stolz.“

Die Lösung

Im Falle einer Übernahme/Übergabe ist es hilfreich, eine Liste nach möglichen Hindernissen anzufertigen – hier ist einerseits Ehrlichkeit gefragt, anderseits wissen die Übergeber manchmal selbst nicht, dass das eine oder andere Hindernis dieser Aufzählung für sie existiert – der letzte Punkt etwa ist sicherlich sehr von der subjektiven Sicht abhängig: ob ich meine Kinder, meinen Nachfolger im richtigen Ausmaß oder schon zu sehr unterstütze – wie kann man das feststellen? Meist ist hier die externe Sicht notwendig bzw. man muss verschiedene Beteiligte selbst befragen. Ein offenes Gespräch über die einzelnen möglichen, wahrscheinlichen oder unwahrscheinlichen Hindernisse bringt fast immer wichtige Erkenntnisse.

Stellen Sie sich folgende Fragen:
  • Wo mache ich eventuell zu viel des Guten?
  • Wo könnte es meinen Kindern zu viel sein?
  • In welchen Bereichen könnten sie auch ohne meine Unterstützung auskommen - und was wäre hier das Risiko?

Über die Autorinnen:
Das Team von ifub begleitet Sie, Ihre Familie und Ihr Unternehmen mit unserem ganzheitlichen und systemischen Ansatz gerne in persönlichen, familiären, betrieblichen, rechtlichen und werblichen Themen. Als interdisziplinäres Team sind wir auf die auf dieBeratung von Familienbetrieben, auf die Nachfolgebegleitung und auf die Unternehmensberatung bei komplexen Fragestellungen wie zum Beispiel auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement spezialisiert. ifub blickt auf viele Jahre Erfahrung und Spezialisierung auf diesem Gebiet zurück. 

Mehr auf www.ifub.at

Mittwoch, 17. Februar 2016

Frühjahrsputz fürs Unternehmen

Schon einmal von KAIZEN gehört? 

Hierbei handelt es sich um eine Philosophie zur kontinuierlichen Verbesserung unternehmensinterner Prozesse. Entwickelt wurde diese Art des Geschäftsprozessmanagements nach dem zweiten Weltkrieg in Japan. Das Wort Kaizen bedeutet "Veränderung zum Besseren", die Methode findet weltweiten Anklang.

Arbeitsplätze von Verschwendung befreien!

Ein Werkzeug des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses "Kaizen" ist die 5S Methode. So wie bei allen Methoden, die im Kaizen angewandt werden, orientiert sich die 5S Methode an der Kundenzufriedenheit unter starker Einbindung der Mitarbeiter.
Die 5 Punkte ergeben sich aus:
  • Separieren – Sort
Der Arbeitsplatz sollte einzig und alleine der Arbeit gewidmet werden, nicht der Lagerung. Das Separieren und Aussortieren von (nicht) mehr benötigten Gegenständen die sich am unmittelbaren Arbeitsplatz befinden ist das Aufgabengebiert dieser ersten Phase. Im Team wird gemeinsam beschlossen, welche Gegenstände nicht mehr benötigt oder selten verwendet werden und was genau mit diesen Dingen geschehen soll.
  • Sortieren – Straighten 
Die zweite Phase beschäftigt sich mit der Ordnung der übrig gebliebenen Utensilien. Hierfür werden geeignete Ablagesysteme geschaffen, die eine gemeinsam erarbeitete und somit für alle Mitarbeiter klare, Definition und Benennung besitzen. Ziel ist es, den Suchaufwand zu minimieren.
  • Saubermachen – Scrub/Shine 
Das Erscheinungsbild des Arbeitsplatzes hängt fest mit der Motivation und dem Empfinden des Mitarbeiters zusammen. Ein sauberer, gepflegter und ordentlicher Arbeitsplatz macht nicht nur den Mitarbeiter stolz, sondern wirkt sich auf den gesamten Prozess aus. Aber nicht nur der eigene kleine Schreibtisch soll ordentlich und sauber gehalten werden. Auch Böden, Fenster und ganze Räume sollen den Kunden, aber auch den einzelnen Mitarbeitern eine gewisse Schauraum-Atmosphäre vermitteln.
  • Standardisieren – Standardize 
Verbesserungen können nur auf Standards basieren. All die bis jetzt durchgeführten Aktivitäten (Separieren, Sortieren, Saubermachen) werden transparent gemacht und jedem Prozessbeteiligten nähergebracht. In dieser Phase soll auch die Aufrechterhaltung der 5S Standards besprochen und vereinbart werden. Es werden Pläne erstellt, in welchen Zeitabständen neu aussortiert wird, wer für die Reinigung der gemeinsamen Arbeitsbereiche zuständig ist, wie oft eine Grundreinigung und ein individuelles Saubermachen erfolgen soll und es werden Inventarlisten erstellt und geführt.
  • Sichern – Sustain 
Selbstdisziplin im eigenen Arbeitsbereich und die Pflege neu erworbener Gewohnheiten sind Bestandteil der fünften Phase. In regelmäßigen (wöchentlichen) Meetings können Erfahrungen ausgetauscht werden, auf Neues aufmerksam gemacht werden und Beobachtungen berichtet werden. Sich selbst und die im Team beschlossenen Standards weiter zu entwickeln und mit offenen Augen durch das Unternehmen zu gehen, sind Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung des Kaizen-Werkzeuges 5S.

Durch die 5S Methode können schnell und auf einfachem Weg Verbesserungen erreicht und sichtbar gemacht werden. Somit eignet sich dieses Werkzeug besonders, um in schnellen Schritten Erfolge zu erzielen. Wie bei allen Werkzeugen des Kaizen steht auch hier der Mitarbeiter im Mittelpunkt. Es geht jedoch nicht ausschließlich darum, den Mitarbeiter in den Veränderungsprozess zu integrieren, sondern vielmehr auch darum, dem Mitarbeiter Selbstvertrauen und Motivation für den weiteren Weg der Optimierungsmaßnahmen zu ermöglichen.

Kaizen im Unternehmen

Kaizen oder KVP hat nur dann Erfolg, wenn die Philosophie im gesamten Unternehmen nachhaltig gelebt wird. Eine Integration in die Prozessorganisation und das Prozesscontrolling ist somit unabdingbar. Die Umsetzung von Kaizen im Unternehmen verläuft auf mehreren Stufen, die sich von der Planung bis zum Messen der Verbesserungen gliedern und wie folgt definiert werden:

  • Kaizen planen
Ein (oft externer) Kaizen-Projektleiter definiert einen Vorgehensplan, der die Ziele des Kaizen, die Vorgehensstufen der Einführung, die Konzeption von Kaizen-Trainings und –Workshops, die Einführung von Kaizen in die einzelnen Geschäftsprozessen, bis hin zur Rollenverteilung, der Festlegung des Prozessteams, des Kaizen-Teams, sowie aller Verantwortlichen im KaizenProjekt beinhaltet.
  • Kaizen starten 
Zu Beginn steht der Kaizen-Startworkshop, der über mehrere Tage verläuft und von einem externen Experten moderiert wird. Die Mitarbeiter erhalten neben den Grundlagen und der Geschichte des Kaizen auch einen genauen Einblick in die unterschiedlichen Methoden und Werkzeuge des Kaizen. Anhand von Beispielen wird verdeutlicht, welch große Wirkung die Optimierung der Geschäftsprozesse unter zur Hilfenahme des Kaizen auf das gesamte Unternehmen hat. Das Identifizieren und Beseitigen von Verschwendungen in Geschäftsprozessen wird gemeinsam in Angriff genommen, was den Mitarbeitern zeigt, wie einfach und rasch Optimierungen zu erreichen sind.
  • Kaizen-Ziele vereinbaren 
Den Abschluss des Start-Workshops bildet das gemeinsame Definieren von Zielen, die durch Kaizen erreicht werden sollen und aus den einzelnen Prozesszielen abgeleitet werden. Diese Ziele müssen so formuliert sein, dass sie von den einzelnen, am Prozess beteiligten Mitarbeitern erreicht werden können, um Frustration und Entmutigung zu vermeiden.
  •  Verschwendungen ermitteln und beseitigen
Kaizen-Teams haben die Aufgabe, Verschwendungen im Unternehmen aufzuspüren und zu beseitigen. Die regelmäßig stattfindenden Teamsitzungen der Kaizen-Teams werden für alle Mitarbeiter protokolliert und transparent gemacht. Hierfür eignet sich eine Pinnwand, die alle Informationen visualisiert. So bekommt jeder Mitarbeiter, aber auch Kunden oder Besucher Auskunft über die Ziele der Kaizen-Teams, Verschwendungen und deren Ursachen, Vorschläge zur Verbesserung, Umsetzungsmöglichkeiten, Verantwortlichkeiten, den aktuellen Stand und die Zielerreichung.
  • Verbesserungen messen 
Die Messung der Prozesskennzahlen für Prozesszeit, Termintreue und Prozessqualität sollte regelmäßig stattfinden. An diesen Kennzahlen lässt sich auch die Wirkung der angewandten Kaizen Methoden ablesen, wodurch kein zusätzlicher Messaufwand entsteht. Die vereinbarten Ziele werden mit den gemessenen Kennzahlen verglichen. Die Ergebnisse dieser Messungen werden wieder für alle sichtbar gemacht, was einen wichtigen Motivationsfaktor für die gesamte Organisation darstellt.

Zusammenfassung

Optimierte Geschäftsprozesse helfen Unternehmen am Markt zu bestehen, sich weiter zu entwickeln und Erfolge zu verzeichnen. Die Verbesserung bestehender Geschäftsprozesse ist eine bewährte Möglichkeit Unternehmensziele zu erreichen. Es gibt viele Methoden, die sich mit der Optimierung von Geschäftsprozessen beschäftigen, wobei die meisten davon direkt auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet sind. Die aus Japan stammende Kaizen Methode beinhaltet die Verbesserung zum Besseren, die kontinuierlich angewandt wird, weshalb sie auch unter dem Namen Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) bekannt ist. Kaizen vereint verschiedene Werkzeuge, die sich an den Kunden, den Problemen, den Prozessen und den Mitarbeitern orientieren. Die Senkung der Prozesskosten ist nicht oberstes Gebot dieser Art der Optimierung, sondern es wird vielmehr Wert auf die Gesamtheit des Unternehmens gelegt. Ein beliebtes Werkzeug um mit der Verbesserung der Geschäftsprozesse mittels Kaizen zu starten ist die 5S Methode. Die 5 einzelnen Phasen beziehen sich auf physische Tätigkeiten einzelner Mitarbeiter um Verschwendungen, die sich störend auf Geschäftsprozesse auswirken können, zu erkennen und zu beseitigen. Die erste Phase umfasst das Separieren, das das Aussortieren unnötiger Dinge (am Arbeitsplatz) umfasst. In der zweiten Phase, dem Sortieren, wird ein Ordnungssystem für die verbleibenden, notwendigen Arbeitsutensilien geschaffen. Die dritte Phase beinhaltet das Saubermachen des Arbeitsbereiches, um eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Das Standardisieren und Sichern sind Phase vier und fünf der 5S Methode. Hier werden vereinbarte Standards sichtbar gemacht und kontinuierlich kontrolliert um alle Punkte ständig verbessern zu können. Kaizen wird mittels eines Workshops ins Unternehmen eingeführt, bei dem die Mitarbeiter mit den Werkzeugen und Methoden des Kaizen vertraut gemacht werden. Die Bildung von Kaizen-teams gewährleistet, dass alle Mitarbeiter über die Verbesserungen aufgrund der Kaizen Methode bzw. der 5S Methode auf dem Laufenden gehalten werden. In regelmäßigen Teamsitzungen werden Beobachtungen besprochen und weitere Maßnahmen geplant. Die Transparenz aller Informationen ist ein großer Motivationsfaktor.


Über die Autorin:


Nicole Kus
i2b Projektmanagerin
Ansprechpartnerin für Veranstaltungen, 
Fragen zum Wettbewerb, 
technische Anfragen sowie 
Öffentlichkeits- und Pressearbeit

Mittwoch, 27. Januar 2016

Serie Betriebsübergabe - so klappt`s auch mit der Nachfolge (Teil 4)

Die Frage

Wie viel Mitspracherecht soll man einem Vorbesitzer im Übernahmeprozess einräumen,
ohne selbst „unterzugehen“?

Der Tipp

Das ist eine spannende Frage! 
Unserer Erfahrung nach braucht eine erfolgreiche Übernahme die Zufriedenheit beider Teile. Und da der Übergeber ja seinen Nachfolger auswählt und bestimmt, wird eine große Zeitlang er sogar die treibende und gestaltende Kraft sein im Übergabeprozess. Wir empfehlen jedem Übernehmer, zunächst mal gut hinzuhören, was dem Übergeber wichtig ist, welche Erwartungen er an den/die ÜbernehmerIn hat und wie er/sie sich den Übergabeprozess vorstellt und erst dann mit einen Vorschlägen zu reagieren. 
Natürlich kennen wir aus unserer langjährigen Praxis auch Unternehmen, wo die Übergabe eine „Übernahme“ im wahrsten Sinne des Wortes von Seiten des Juniors war. Leicht waren diese „Entmachtungen“ allerdings für beide Teile nie.


Über die Autorinnen:
Das Team von ifub begleitet Sie, Ihre Familie und Ihr Unternehmen mit unserem ganzheitlichen und systemischen Ansatz gerne in persönlichen, familiären, betrieblichen, rechtlichen und werblichen Themen. Als interdisziplinäres Team sind wir auf die auf dieBeratung von Familienbetrieben, auf die Nachfolgebegleitung und auf die Unternehmensberatung bei komplexen Fragestellungen wie zum Beispiel auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement spezialisiert. ifub blickt auf viele Jahre Erfahrung und Spezialisierung auf diesem Gebiet zurück. 

Mehr auf www.ifub.at

Donnerstag, 7. Januar 2016

Serie: Betriebsübergabe - so klappt's auch mit der Nachfolge (Teil 3)

Die Frage

Seitens der ÜbergeberInnen stellt sich oftmals die Frage, welche Beratungsleistungen in Anspruch genommen werden können und welche Kosten dadurch auf einen zukommen können.

Der Tipp

Meist sind es Unternehmensberater – oft auch aus Familienbetrieben kommend ‐, die Übernahmeberatung machen. Doch auch alle übrigen Berater wie SteuerberaterInnen, Rechtsanwälte, Notare, MediatorInnen, SupervisorInnen, Systemische Berater bieten Übernahmeberatungen an. Selbstverständlich auch die Wirtschaftskammer und das WIFI.
Die Dauer hängt von der jeweiligen Unternehmenssituation ab. Unsere Erfahrung ist: nicht kürzer als ein halbes Jahr und meist auch nicht länger als drei Jahre.
Die Preisgestaltung wird von Unternehmen zu Unternehmen verschieden sein und vom jeweiligen Dienstleistungsangebot abhängen. Hier eine konkrete Zahl zu nennen, wäre also sehr unseriös. Manchmal reichen ein paar Coachingstunden, im Extremfall muss man einen kompletten Organisationsentwicklungsprozess starten und durchführen. Die Untergrenze liegt somit bei ein paar hundert Euro, die Obergrenze ist offen.
Jede Beratung beginnt mit der Auftragsklärung und dem Definieren von Zielen. Auf Basis dessen werden Beteiligte, Beraterteam, Maßnahmen, Meilensteine und ein Zeitplan erarbeitet, sodass der Prozess zu jedem Zeitpunkt hinterfragt, überprüft und evaluiert werden kann.
ifub z. B. stellt für den gesamten Übergabeprozess einen durchgängigen Berater sowie themenspezifisch die einzelnen
Experten. In internen Koordinationsgesprächen des Beraterteams mit dem Kunden wird kontinuierlich überprüft, wann was sinnvoll ist und welche Aktivitäten z.B. parallel laufen können.
Wichtige Meilensteine sind z.B. das Definieren von Rollen, Funktionen, Verantwortlichkeiten und Aufgaben, das Fixieren eines konkreten Übergabezeitpunkts, das gemeinsame Durchführen eines Übergaberituals mit allen begleitenden internen wie externen Kommunikationsmaßnahmen, das Übertragen von Rechten und Pflichten in Gesellschafts‐, Miet‐ und Lieferantenverträgen, das Übernehmen von Bankverbindlichkeiten, Firmenanteilen u.v.m.


Über die Autorinnen:
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